20.07.26 – Techtextil & Texprocess 2026 — read English version
Techtextil 2026 bündelte Defence-Kette
Versorgungssicherheit bei Schutztextilien rückt im Defence-Markt in den Fokus. Auf der Techtextil 2026 trafen sich Hersteller, Systemhäuser und Beschaffer, um komplexe TL-Vorgaben, PFAS-Ausstieg und alternative Bezugsquellen entlang der Lieferkette zu adressieren.
Schutztextilien als Systemaufgabe
Der verstärkte Fokus auf Landes- und Bündnisverteidigung, nationale Beschleunigungsgesetze wie das BwBBG und EU-Instrumente wie EDIRPA erhöhen den Takt im Markt. Technische Lieferbedingungen und Vergabespezifikationen müssen zügig in Materialien, Komponenten, Ausrüstungen und Prozesse übersetzt werden, die im Schutzsystem normkonform zusammenwirken. Moderne Schutztextilien sollen IR-Signaturmanagement, Hitze- und Chemikalienschutz, mechanische Robustheit und Waschbeständigkeit vereinen. Selbst Klettsysteme, Nähgarne und elastische Bänder müssen Extrembelastungen aushalten und die IR-Remission unterstützen. Werden Parameter isoliert optimiert, geht das zulasten von Gewicht, Wasserdampfdurchgang oder Tragekomfort, die unmittelbar die Durchhaltefähigkeit der Einsatzkräfte bestimmen.
„Gerade im Defence-Bereich zählt, ob Innovationen technisch funktionieren, zuverlässig verfügbar sind und in belastbaren Stückzahlen verarbeitet werden können. Die Techtextil ist hierfür die ideale Plattform. Sie bringt die Partner zusammen, die aus Materialkompetenz einsatzfähige Lösungen entwickeln“, sagt Sabine Scharrer, Director Brand Management Technical Textiles & Textile Processing, Messe Frankfurt.
Systemwirkung, PFAS-Ausstieg und Validierung
Der PFAS-Ausstieg erhöht die Komplexität zusätzlich. Wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstungen bleiben für viele Schutzanwendungen relevant, zumal insbesondere die in Vergabeunterlagen geforderte Ölabweisung je nach Einsatzprofil nur schwer funktionsgleich zu ersetzen ist. „Technische Textilien lassen sich nicht auf einzelne Kennwerte reduzieren. Bei Schutzbekleidung entscheidet die Wechselwirkung zwischen Material, Körper und Einsatzszenario“, sagt Dr. Simon Annaheim, Empa. „Simulationen können Materialien gezielter vorselektieren und Entwicklungszyklen verkürzen. Die praktische Validierung bleibt aber unverzichtbar.“
Marktplatz für resilientes Defence-Sourcing
Vom 21. bis 24. April 2026 vereinten Techtextil und Texprocess in Frankfurt über 36.000 Besucher und 1.700 Aussteller aus 112 Ländern, darunter mehr als 150 Anbieter mit spezialisiertem Defence-Angebot. Fasern, Garne, Schmaltextilien, Ausrüstungen, Verarbeitungsexpertise und das neue Segment „Textile Chemicals & Dyes“ spannten die gesamte Kette von der chemischen Vorstufe bis zur Konfektion. Im Defence-Markt wächst der Druck, sicherheitsrelevante Produkte geografisch zu bündeln, während hohe Energiepreise, Bürokratie und globale Preisunterschiede die Fertigung in Europa belasten.
In Frankfurt trafen wehrtechnische Systemhäuser, Konfektionäre und technische Einkäufer auf Partner, um Schutzlösungen zu spezifizieren, zu sourcen oder in die Serienfertigung zu überführen. Etablierte Anbieter nutzten die Leitmessen, um passende Entwicklungs-, Produktions- und Lieferpartner zu finden. Für Unternehmen, die ihr Portfolio in Richtung Defence erweitern, diente die Techtextil als Kompass in einem Markt, der tiefe Normkenntnis, Vergabekompetenz und belastbare Referenzen verlangt.



