25/10/2016 – Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Beeindruckende Ideen

Der mtex+ Nachwuchspreis will Studenten für Technische Textilien begeistern und mit Herstellern zusammenbringen. Gleich bei der Premiere ist dies gelungen.

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Sage und schreibe 21 Studierende des Masters Textil- und Bekleidungsmanagement der Hochschule Albstadt-Sigmaringen nahmen am diesjährigen Wettbewerb - dem 1.mtex+ Nachwuchspreis - teil. Und konnten sodann auch einen 3. Platz für die Hochschule verbuchen. Die Körperschutzhülle von Kira Dannecker, Natalie Maihöfer, und Marisa Pfister überzeugte die Jury vor allem durch den gewählten, innovativen Materialverbund aus einem warnfarbenen, PVC-beschichteten Aramidvlies der Fa. Norafin als Obermaterial, einem voluminösem Aramidvlies mit 3-D Struktur der Fa. Norafin als Innenmaterial und dem Einsatz von Retroreflexstreifen sowie angepassten Haltegriffen überzeugt. Eine innovative und neue Idee, da es eine derartig konstruierte Rettungshülle bis dato von einschlägig bekannten Anbietern wie z.B. Fa. Draeger (noch) nicht gibt. Die Hülle soll in öffentlichen Gebäuden, aber auch im Privathaushalt zum Einsatz kommen und verletzte Personen im Falle eines Brandes oder anderer Katastrophen vor Flammen und Splittern schützen. Ein mögliches Einsatzszenario hierfür wäre beispielsweise ein Tunnelbrand.

 

„Einfach genial, dank Technischer Textilien!"

Auch die weiteren, nicht prämierten Ideen der Albstadt-Sigmaringer Studentinnen und Studenten konnten sich durchaus sehen lassen. Zumal alle das vorgegebene Thema „Metamorphosis“, sowie das Motto „Einfach genial, dank Technischer Textilien!“ ganz individuell umgesetzt haben und damit die Idee zu dem Award erst mit Leben füllten.

Sie arbeiteten selbstständig an ihren Ideen, führten Umfragen und Versuche durch, erstellten in den Laboren Prototypen und finalisierten ihre Konzepte. Unterstützt wurden sie von ihrer Professorin, Manuela Bräuning, und anderen Mitarbeitern der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Es ging darum neuen Ideen freien Lauf zu lassen, die Studierende dabei jedoch nicht alleine zu lassen. Zudem profitierten die Studierenden von Materialspenden und Hinweisen der zahlreichen teilnehmenden Unternehmen. Auch für 2017 ist eine weitere Auflage des mtex+ - Nachwuchspreises geplant.

 

Folgende Materialien wurden zur Umsetzung der Ideen eingesetzt

Texcard, ein Karton mit Textilkaschierung für Verpackungen der AG Cilander

Eine Vielzahl unterschiedlicher Gewirke der Eschler Textil GmbH

Geogitter der HUESKER Synthetic GmbH

Geflechtschläuche der iprotex GmbH & Co. KG

technischer Spezial-Vliesstoffe der Norafin Industries GmbH

Leuchtkeder der Topp Textil GmbH

 

Die Ideen im Überblick

Die Idee modische Accessoires aus technischen Textilien herzustellen trieb Kübra Nur Ataman, Maria Endres, Madeleine Schneider und Dunja Sokreski an. Sie wollten mit kreativen Accessoires die technischen Produkte von einer ganz anderen Seite präsentieren und so den Menschen Technischen Textilien näher bringen. Die Highlights dieser etwas anderen Kollektion sind ein Armband und ein Kettenanhänger aus Geogittern.

Tragekomfort von Kopfhörern

Den Tragekomfort von Kopfhörer zu optimieren hatten sich Theresa Krutzsch, Swenja Holthaus und Saman Khodabandeh vorgenommen, dabei entstand der textile Kopfhörer "Future". Er ist modular mit Abstandstextilien und Gewirken aufgebaut und der ummantelte Bügel mittels Klett befestigt. Der Bügel kann so ganz einfach entfernt werden und zurück bleibt ein äußerst weiches Produkt, mit dessen Hilfe man ganz bequem ins Reich der Träume abschweifen kann. Neben dem optimierten Tragekomfort profitiert man bei dem textilen Kopfhörer von weiteren Vorteilen: er zerbricht nicht, ist leichter, als ein herkömmlicher Kopfhörer und die Musikgenuss wird durch das Abstandstextil nicht beeinträchtigt.

Trend Urban Gardening

Eylem Gökce, Hoang-Dan Nguyen und Julia Schwenk unterstützen mit ihrer Produktidee den Trend Urban Gardening. Sie entwickelten Tüten aus Textilkarton, die nach dem eigentlichen Gebrauch für Dekorationszwecke eingesetzt werden können. Die Tüten bestehen aus textilem Karton und besitzen eingearbeitete Kräutersamen-Terrassen, die aufgeklappt und begossen werden können. Der Produktidee gaben sie den Namen #FairSquare“.

Sicherheit im Blick

Gleich mehrere Produktideen beschäftigten sich mit dem Thema Sicherheit. Dabei wurden ganz unterschiedliche Produkte und Herangehensweisen eingesetzt. Natalya Tamplon, selbst Mutter, befasste sich mit der Idee mehr Sicherheit in Kinderhosen einzubringen. Die Idee: durch die Integration eines Abstandsgewirkes als Knieverstärkung direkt in der Hose könnten Verletzungen beim Toben oder Rollerfahren, der Vergangenheit angehören.

Lena Weggenmann beschäftigte sich ebenfalls mit dem Thema Schutz: um die Sicherheit im Dunkeln durch leuchtende Bekleidung zu optimieren integrierte sie Leuchtkeder in die Oberbekleidung. Ihre Produktidee betitelte sie mit „I SEE YOU“. Ebenfalls auf leuchtenden Textilien basiert das Konzept „Smart Helmet“ – ein innovativer Ansatz um das Chaos im Snowboardkurs oder auf der Piste zu reduzieren. Julia Heft konzipierte hierzu einen mit Leuchttextilien versehenen und mit Abstandstextilien ausgestatteten Snowboardhelm, dessen Polsterung herausnehmbar ist.

Schienbeinschoner aus Technischen Textilien?

Die nahende Fußball-EM und das Thema Sport brachten vier Studierende auf die Idee eine Innovation für den Schutz von Fußballspielern zu entwerfen. Havva Ersöz, Saskia Färber, Mara Math und Nadine Wettach entwickelten Schienbeinschoner für Frauen und Männer, die besonders leicht sind und einen guten Tragekomfort bieten. Hierzu wurden eine Stulpe, eine Polsterung und eine Schienbeinschale designt. Die Polsterung besteht aus einem Abstandsgewirk, das durch die Eigenschaften Luftdurchlässigkeit, Druckelastizität, schnelle Trocknung und Weiterleitung von Flüssigkeiten, einen guten Tragekomfort bietet, ohne dabei den Polstereffekt zu beeinträchtigen. Ein Silikonrand auf dem Abstandsgewirk verhindert das Rutschen der Polsterung. Die Stulpe wird über die Polsterung gezogen. In die vordere Tasche der Stulpe wird die Schienbeinschale gesteckt. Diese besteht aus einem Faserverbundwerkstoff und schützt somit das Schienbein vor Tritten.

Insektenschutz

Auch Anna-Lena Motzer beschäftiget sich mit dem Schutz von Beinen – wenn auch keinen menschlichen. Sie ließ sich von ihrer Liebe zu Pferden inspirieren und entwarf einen innovativen Insektenschutz, der die Beine der Tiere während den langen Sommertagen auf der Weide schützen soll. Denn durch die Insektenstiche können Bakterien, Viren oder Parasiten übertragen werden, die – im schlimmsten Fall – schwere Krankheiten oder sogar allergische Reaktionen auslösen können. Auf dem Markt gibt es daher bereits Decken, die die Pferde vor Stichen schützen. Allerdings sind die Beine der Tiere bislang ungeschützt. Der von ihr entwickelte Beinschutz besteht aus einem Abstandstextil, das verhindert, dass die Insekten die Haut der Pferde erreichen können und somit die Tiere komfortabel vor Stichen schützt.

[Prof. Manuela Bräuning, Hochschule Albstadt-Sigmaringen]

In eigener Sache:

Die vielfältigen Konzepte zeigten eindrucksvoll wie viel Know-How und Kreativität in den Köpfen der Nachwuchskräfte steckt. textile network arbeitet bereits an der zweiten Auflage des Nachwuchspreises - mehr dazu in Kürze. Bleiben Sie mit uns neugierig!