23/01/2016 – Ausstellungstipp

Jean Paul Gaultier in München – „From the sidewalk to the catwalk“

In Paris haben 420 000 Besucher die Ausstellung gesehen, jetzt gibt es in Deutschland die letzte Chance, das Werk des „Enfant terrible“ der Modeszene, so wird Gaultier (63) charakterisiert, zu sehen. Die Ausstellung wird noch bis 14. Februar 2016 gezeigt und von einem umfangreichen Begleitprogramm flankiert. Exklusiv für die Präsentation in München hat Peter Lindbergh das Plakatmotiv mit Nadja Auermann und Jean Paul Gaultier fotografiert. 

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Für die Schau in München hat es sich Jean Paul Gaultier nicht nehmen lassen, seine Ausstellung „From the sidewalk to the catwalk“ (Vom Bürgersteig auf den Laufsteg), selbst zu präsentieren, obgleich er Vorbehalte hat. „Für mich klang eine Ausstellung ein bisschen nach Tod. Wenn man stirbt, kommt man ins Museum“, sagte Gaultier, der mit dieser Ausstellung nach Kanada (Montreal) und Paris nun in die bayerische Landeshauptstadt kommt. Gezeigt wird sein Oevre in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung.

Die Exponate geben einen Ein- und Überblick in das immense Schaffen und die spektakulären Kreationen von Gaultier, der ohne fachliche Ausbildung Modegeschichte schrieb und weiterhin schreibt. Die Schau ist ein aufwendiges Gesamtkunstwerk, 14 Tonnen Material hat der Kurator Thierry-Maxime Loriot nach München bringen lassen. „In seinem gesamten Schaffen hinterfragt Gaultier gängige Auffassungen gesellschaftlicher Rollen der Mode und erweitert mutig die grundlegenden Prinzipien des Modedesigns“, beschreiben die Ausstellungsmacher. Er nutze immer wieder ungewöhnliche Materialien wie Federn, Tierhaut, Kristalle, Gagat, Metalldosen oder Gummi.

In seinem Pariser Mode-Atelier lasse er sie in unkonventionellen Kombinationen zu Avantgarde-Kreationen verarbeiten. Inspirationen findet er in Paris selbst, aber auch in der Welt des Pop, in den Massenmedien und in Subkulturen wie dem Londoner Punk und in verschiedenen Kulturen. „Prototypische Figuren wie die Geisha, der Indianer oder der Torero bevölkern seine Welt, immer jedoch in überraschenden Verfremdungen. Gaultiers gesellschaftliches Ideal ist das Recht darauf, anders zu sein und die eigene Identität zu leben“, heißt es in der Einführung zur Schau. Gaultier sei heute ohne Zweifel Kult, sowohl in der Haute Couture als auch in der Populär-Kultur, sagen die Münchner Ausstellungs-Macher. „Ich habe mich immer für starke Frauen interessiert und für Menschen, die ein bisschen anders sind“, sagt Gaultier.

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8 (in den Fünf Höfen), München

Ingrid Sachsenmaier