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23/08/2018 – TU Chemnitz

Kooperation mit Bangladesch zum Thema Nachhaltigkeit

Veränderung der Ausbildung an den Universitäten von Bangladesh soll für bessere Bedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie des Landes sorgen.

Die Wirtschaft in Bangladesch beruht auf Textilproduktion: Über 80% der Exporte entspringen dem RMG Sektor, der seit dem 80er Jahren rapide gewachsen ist – damals machte er noch knapp 4% der Exporte aus. Entsprechend schnell wurden neue Fabriken gebaut. Bei der Entwicklung wundert es kaum, dass die Sicherheit der Fabriken in dem Land, das zu den am wenigsten entwickelten in der Welt gehört, nicht garantiert werden kann. Am deutlichsten machte dies der Einsturz von Rana Plaza 2013 mit über 1000 Todesopfern. Am 3. Juli starben in diesem Jahr erneut mindestens 10 Menschen bei der Explosion eines Heizkessels in einer bangladeschischen Textilfabrik.

Seit dem Unglück von Rana Plaza gibt es ein gesteigertes Bewusstsein in den Industrieländern für die sozialen Problematiken in der Textilbranche. Westliche Marken und Gewerkschaften haben in Bangladesch das Accord-Abkommen unterschrieben, das für mehr Sicherheit in den Fabriken sorgen soll. In Deutschland setzt sich das Textilbündnis mit der Thematik auseinander. Auch wenn viel in Bewegung ist, gibt es noch viel zu tun.

Auch auf einer anderen Ebene ist die Regierung aktiv geworden: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat ein Projekt in Auftrag gegeben, in dessen Rahmen Hochschulen in Bangladesch und Deutschland zusammenarbeiten. Koordiniert wir das Projekt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und finanziert aus Mitteln der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). In diesem Rahmen sind drei Hochschulkooperationen entstanden, eine davon zwischen der TU Chemnitz und der BGMEA University of Fashion and Technology. In dem Verband Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA) haben sich über 4300 Textilfabriken zusammengeschlossen. Die Privatuniversität bildet Studierende in der Mode- und Textilproduktion aus. Es gibt unter anderem Design-, Ingenieurs- und Managementstudiengänge.

Bildung ist der Schlüssel, mit dem im Rahmen des Projekts eine Veränderung der Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken bewirkt werden sollen. „Wenn die zukünftigen Manager bereits im Studium für verantwortungsvolles Handeln sensibilisiert werden und über Arbeitsrecht Bescheid wissen, ist die Grundlage für eine Veränderung in der Unternehmensführung geschaffen,“ sagt Prof. Holger Cebulla, Inhaber des Lehrstuhls für Textile Technologien an der TU Chemnitz, der das Projekt an der TU Chemnitz betreut. Gerade wir in Chemnitz, das einst das Zentrum der Industrialisierung in Europa war, kennen sowohl die sozialen als auch ökologischen Auswirkung der Textilindustrie. An Hand der historischen Entwicklung des sächsischen Manchesters kann vieles gelernt werden – manches zu nachahmen manches zum anders lösen.

Im Rahmen des Projektes treffen sich Wissenschaftler sowie Dozenten beider Universitäten zu Workshops. Zuletzt war eine bangladeschische Delegation im Juni in Chemnitz zu Besuch. Zum einen werden im Rahmen des Projekts die Lehrpläne der BUFT gemeinsam überarbeitet und zum anderen wird das Lehrpersonal aus Bangladesch in Workshops zu verschiedenen Themen weitergebildet. Außerdem standen Besuche bei Textilfirmen und dem Sächsischen Textilforschungsinstitut auf dem Programm.

Von dem Projekt profitiert nicht nur die Universität in Bangladesch. „Der Austausch mit unseren Partnern ist eine große Bereicherung für uns. Wir bekommen Einblicke in das Leben, die Denkweisen und Werte der Menschen in Bangladesch. Das hilft uns, globale Zusammenhänge besser zu verstehen“, so Cebulla.

Der nächste Besuch ist für den September geplant. Dabei sollen sich die Gäste aus Bangladesch auf der internationalen Sustainable Textile School in Chemnitz über das Thema recycling and new sources mit Experten aus aller Welt austauschen. Ziel des Projektes ist nicht nur die soziale, sondern auch die ökologische Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Teilnehmer zu verankern.

Weitere Informationen zum DAAD-Projekt finden Sie HIER

 

von Anna Lanfermann und Prof. Holger Cebulla

Professur Textile Technologien, TU Chemnitz