22/05/2017 – Textil- und Bekleidungsverband Nordwest

Neuer Blickfang in Münster: Eine Fassade wie ein Vorhang

Textilverband bezieht außergewöhnlichen Neubau und steigert öffentlichkeitswirksam das Ansehen der Textilbranche als innovative Branche.

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Im Juni ist es soweit. Die 1300 qm große Klinkerfassade des Gebäudes am Martin-Luther-King-Weg im Gewerbegebiet Loddenheide erweckt den Eindruck eines riesigen Tuchs, das sich über ein Gebäude legt. Mit dem Umzug der 20 Mitarbeiter vom bisherigen Standort an der Moltkestraße bekennt sich der Verband klar zum Standort Münster sowie der traditionellen Textilregion.

„Unser neues Zuhause ist eine tolle Visitenkarte für den Verband und seine Mitglieder wie auch für die Stadt Münster und den Standort Loddenheide“, sagt Verbandspräsident Dr. Wilfried Holtgrave. Das Erdgeschoss sowie den ersten Stock bezieht der Textilverband selbst. Im zweiten Obergeschoss werden hochwertige Büro- und Gewerbeflächen vermietet und damit das Gewerbegebiet weiter gestärkt. Der Nordwestdeutsche Textilverband vertritt rund 260 Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie in Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg mit insgesamt mehr als 28.000 Mitarbeitern. Seit 1902 sitzt er in Münster. Der bisherige Standort in einem Nachkriegsgebäude an der Moltkestraße war zuletzt räumlich zu begrenzt und nicht mehr zeitgemäß.

Modernste Räume für Seminare und Schulungen

„Für uns war von Anfang an klar, dass wir auch bei einem Umzug Münster als Standort zwischen den beiden textilen Schwerpunktregionen Westmünsterland und Ostwestfalen beibehalten wollen“, sagt Holtgrave. In dem Neubau stehen dem Verband sowie den Mitgliedsunternehmen und deren Mitarbeitern nun modernste Räumlichkeiten für Tagungen, Seminare und Schulungen zur Verfügung. Die Entwürfe für den Neubau sowie die Idee zur Fassade in Textiloptik stammen vom Architekturbüro behet bondzio lin mit Sitz in Münster, Leipzig und Taichung.

Die textile Anmutung der Fassade des neuen Verbandssitzes wird durch die Anordnung der Ziegelsteine erzeugt: Insgesamt 74.000 speziell angefertigte Steine setzten die Maurer einzeln an ihre bestimmte Position, um den Eindruck von Stofflichkeit zu vermitteln. Aufgenommen wurde das Thema Textil auch im Inneren des Gebäudes. Hier sind zum Beispiel zahlreiche Filzobjekte echte Hingucker. „Von Beginn an haben bei diesem Neubau alle an einem Strang gezogen, von der Stadt bis zu den Architekten, unseren Mitgliedern und unseren Mitarbeitern, die alles mitgetragen haben“, berichtet Holtgrave.

Einmalige Fassade in Deutschland

Die Idee, das Thema Stoff durch die Komposition des Ziegelmauerwerks bereits von außen aufzunehmen, stammt von Architekt Roland Bondzio und seinem Team. Als Inspiration diente der täuschend echt aussehende Alabaster-Faltenwurf der Beethoven-Statue von Max Klinger, die im Leipziger Bildermuseum steht. Max Klinger hat hier eine paradoxe Wahrnehmung geschaffen. Der Betrachter sieht ein scheinbar fließend leichtes Tuch über den Knien von Beethoven und erkennt zugleich, dass es aus massivem Stein besteht. Die Planung und Realisierung der Steinanordnung war eine große Herausforderung. Sieben verschiedene Größen wurden eigens angefertigt, um den gewünschten optischen Effekt erzielen zu können, der im Wesentlichen auf dem unterschiedlichen Schattenwurf der einzelnen Steine beruht. Der Entwurfsprozess erfolgte parametrisch, also über ein eigens geschriebenes Computerprogramm. Für die Baustelle wurden Pläne erstellt, auf denen die zuvor errechnete Position jedes einzelnen Steins genau vermerkt war.

„Die Wirkung der Fassade ist einzigartig. Mit dem beeindruckenden Mauerwerk sind wir auch von außen für Besucher sofort als Textilverband erkennbar“, sagt Holtgrave. „Das gesamte Gebäude ist innen wie außen nicht nur sehr sehenswert. Durch die vielen textilen Elemente ist zudem eine ganz besondere Wohlfühlatmosphäre für unsere Mitglieder und unsere Mitarbeiter entstanden.“ So wird die Beleuchtung durch textile Gewebe über Lichtdecken und Lichtbänder optimiert. Auch bei der Inneneinrichtung wurde konsequent auf textile Materialien gesetzt. Der nordwestdeutsche Textilverband ist der größte Landesverband in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie und repräsentiert mehr als ein Viertel der gesamten Branche. Die Mitglieder erhalten in Münster unter anderem Beratung zu Fragen zur Arbeits- und Sozialpolitik, Umwelt und Energie, Aus- und Weiterbildung und Verbraucherschutz.