04/06/2015

Textil- und Bekleidungshersteller übernehmen Verantwortung

Nachhaltige Produktionsbedingungen spielen in der Textil- und Bekleidungsindustrie eine immer größere Rolle. „Immer mehr unserer Mitgliedsunternehmen lassen sich freiwillig auf die Einhaltung von Sozial- oder Umweltstandards überprüfen“, erklärte der Präsident des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie Münster, Dr. Wilfried Holtgrave. Das gehe aus einer Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedern hervor.

Demnach führen 48 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen ein oder mehrere der bekannten Textilsiegel. Fast alle zertifizierten Unternehmen erfüllen die Kriterien des Öko-Tex-Standards 100, der unter anderem die Verwendung schädlicher Substanzen ausschließt. Hinzu kommen bei einem Viertel der Unternehmen die Siegel GOTS oder BSCI, die neben ökologischen auch Sozialstandards abdecken, die auch in ausländischen Produktionsstätten erfüllt sein müssen.

Die Verwendung von Nachhaltigkeitstextilsiegeln, die nur nach einer entsprechenden Prüfung vergeben werden, hat laut Verband in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen. 2012 habe nur ein Drittel der Unternehmen Nachhaltigkeitszertifikate verwendet und sich zuvor entsprechenden Prüfungen unterzogen.

„Das Thema Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung ist in den Unternehmen angekommen und wird nach und nach umgesetzt“, sagte Holtgrave bei der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes. Nick Lin-Hi, Professor für Corporate Social Responsibility (CSR) an der Universität in Mannheim, bestärkte die Unternehmen. „Noch sind nachhaltig produzierte Textilien ein Nischenprodukt, aber der Markt wird sich in den nächsten Jahren drehen“, so Lin-Hi. Unternehmen die sich jetzt richtig aufstellten und die entstehenden Kosten als Investition verstünden, hätten dann gute Wachstumschancen.

Holtgrave wies darauf hin, dass die Branche mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 100 Mitarbeitern stark mittelständisch strukturiert sei, die Unternehmen aber dennoch in komplizierte globale Lieferketten eingebunden seien. „An der Herstellung eines vergleichsweise simplen Produkts wie eines Herrenoberhemdes sind vom Baumwollfeld bis zum Bügel mehr als 140 Unternehmen in aller Welt beteiligt“, sagte der Textilunternehmer.

Eine solche Lieferkette umfassend zu kontrollieren und die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und die Einhaltungen von Umweltauflagen in der gesamten Lieferkette zu übernehmen, wie dies manchmal gefordert werde, sei schlicht unmöglich. Holtgrave wandte sich daher gegen überzogene Forderungen aus der Politik oder gar gesetzliche Regelungen für ausländische Produktionsstätten. „In vielen Produktionsstätten sind unsere Unternehmen nur einer von mehreren Auftraggebern und die Gesetzgebung in den einzelnen Ländern können sie ebenfalls nicht beeinflussen“, so Holtgrave.

Deutsche Textil- und Bekleidungsunternehmen einseitig durch neue Regelungen zu belasten, schwäche sie daher im internationalen Wettbewerb. Der Verband begrüße, dass das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller initiierte Textilbündnis dies jetzt auch berücksichtige. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige, dass die Unternehmen von sich aus bereit seien, mehr gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich dafür auch Prüfungen unterzögen. „Wir gehen davon aus, dass die Kunden immer mehr auf Produktion und Herkunft der Produkte achten. Deshalb werden sich immer mehr Unternehmen auf die Kundenwünsche einstellen“, sagte Holtgrave.

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