19/01/2017 – Smart Textiles

Anwenderforum für MedTech-Produktinnovationen

Umsatzschub dank textiler Intelligenz! Am 8.-9.März 2017 findet im Cubus in Wolfurt (Bregenz, Österreich) das 5. Anwenderforum „Smart Textiles" statt.

Show all images

Mit breitem Funktionsspektrum zu Stichworten wie leitend, heizend, warnend oder Strom erzeugend gehen aktuell erste Smart Textiles an den Start: Flächenmaterialien mit Textilintelligenz empfehlen sich für vielfältige medizintechnische Produktentwicklungen im Mittelstand. Impulse will die Anwenderkonferenz Anfang März im österreichischen Wolfurt geben.

Im eigenen Haus entwickelte Textilien „mit Grips“ haben nach Aussagen von Prof. Götz Gresser, Chef des veranstaltenden Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) in Denkendorf, mit Blick auf Heil- und Pflegeprodukte, aber auch für Automobilbau, Architektur, Bekleidung, Energietechnik oder Innenausstattung enormes Umsatzpotenzial. „Damit Konstrukteure und Entwickler wissen, welche revolutionär neuen Flächenmaterialien inzwischen anklopfen, bringen wir zum Smart Textiles-Forum Wissenschaft und Mittelstand aus der D-A-CH-Region zusammen.“ Das ITV arbeite seit über einem Jahrzehnt an intelligenten Funktionstextilien, darunter kraftübertragende Gewebe, Leuchttextilien sowie lichtlenkende Multiaxialgewebe“, so Gresser.

Vielfältige medizintechnische Anwendungschancen

Smart Textiles mit prognostizierter jährlicher Wachstumsrate von weltweit 20 bis 30 Prozent haben zahlreiche Mittelständler angeregt, mit neuen Produkten zusätzliche Umsatzstandbeine zu schaffen. Drei Beispiele aus dem MedTech-Bereich, die weitere Branchenunternehmer auf der Tagung beim marktführenden Hersteller von Seil- und Gondelbahnen Doppelmayr/Garaventa inspirieren sollen:

Für Menschen mit motorischen Einschränkungen, für Rad- oder Rollstuhlfahrer entwickelte die Strickmanufaktur Zella GmbH, Zella, mit dem IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme in Ilmenau ein Smart Jacket mit integrierter drahtloser textiler Tastatur. Zum Bedienen von Geräten, Öffnen von Türen oder zur Steuerung des Handys reicht es, gestrickte Taster auf der Bekleidungsaußenseite zu drücken.

Das Jacket, das sich nach Angaben von Firmenchef Dr. Gottfried Betz jahrelang nutzen und wie normale Strickmode waschen lässt, steht synonym für viele weitere Anwendungsmöglichkeiten des patentgeschützten Knitty-fi-Wirkprinzips. Etwa zur drahtlosen Komponentensteuerung von E-Fahrzeugen mittels Integration in den Sitz, von Unterhaltungselektronik via Sofakisssen oder als intuitiver Maschinen-Notabschalter in funktionalisierter Berufsbekleidung. Derzeit wird die Serienreife des Jackets vorangetrieben. Kooperationspartner aus dem OEM-Bereich, die Knitty-fi in eigene Produkte integrieren wollen, sind laut Betz „sehr willkommen“.

Die Texible GmbH, eine Ausgründung aus der Universität Innsbruck, arbeitet im österreichischen Hohenems an der Funktionsintegration textiler Flächen für die alternde Gesellschaft: Zu den ersten Ergebnissen mit geplanter Marktreife 2017 gehören eine nässesensorische Inkontinenz-Betteinlage mit optionalem Rufsystem und ein nachrüstbarer Sturzmattensensor. Generell ließen sich nach Aussagen von Geschäftsführer Thomas Fröis mit Textilintelligenz das Wohlbefinden der Nutzer sowie zahlreiche Pflege-Abläufe verbessern. Texible will zudem textile Hochleistungsstromkollektoren für Batteriesysteme sowie Textilelektroden für Brennstoffzellen vorstellen, sucht für deren Verwirklichung ebenfalls Partner aus der Industrie.

Ein Systemangebot in Form eines intelligenten Bürostuhls und zugehöriger digitaler Präventionsmaßname stellt die Aachener physiosense GmbH in Wolfurt vor. Mit hochauflösender Sensorik in Sitzfläche und Lehne des Stuhls sowie einer Smartphone-App und einem Online-Portal sollen schädliche Körperhaltungen vermieden, Gesundheit und Wohlbefinden im Sitzen arbeitender Menschen entscheidend verbessert und zugleich die Kosten für Unternehmen und Versicherungen gesenkt werden. Das aus der RWTH Aachen ausgegründete Start up will die Serienproduktion noch 2017 starten, sucht für die Fertigung Industriepartner. Das Sensorik/App-System soll dann auch auf andere Anwendungsbereiche übertragen werden.

Forschungskuratorium Textil ist Mitveranstalter

Das Forschungskuratorium Textil als Mitveranstalter hebt die für jeglichen smarttextilen Fortschritt unumgängliche Interdisziplinarität mit Akteuren aus zahlreichen Branchen hervor. „Auch jenseits der reinen Textilkompetenz bleibt viel zu tun, die Faser mit elektronischen Funktionen auszustatten“, sagt Geschäftsführer Dr. Klaus Jansen. Für die branchenübergreifende Kooperation gebe es leider bisher jedoch kaum passende Fördermaßnahmen.

Auf einen Blick:

Was: 5. Anwenderforum „SMART TEXTILES“

Wo: Cubus in Wolfurt (Bregenz/Österreich)

Wann: 8.-9. März 2017

Programm: www.itv-denkendorf.de/anwenderforum