28/10/2016 – Nachhaltigkeit

Ananasblätter, Meeresalgen, Rohmilch?

Immer mehr Anbieter, darunter auch Global-Player, setzen in ihren Kollektionen auf die Verarbeitung von nachhaltigen sowie umweltschonenden Fasern.

Auch Abfälle, wie beispielsweise alte Fischernetze, Rohmilch oder Ananasblätter, gewinnen an Bedeutung. Aus diesen und weiteren ungewöhnlichen Rohstoffen entstehen inzwischen innovative Textilfasern. Ein Überblick.

 

Piñatex, Leder aus Ananasblättern

Designerin Carmen Hijosa aus Spanien entwickelte zusammen mit dem Royal College of Art das sogenannte "Fruchtleder" Piñatex, für das Fasern aus Ananas-Blättern gewonnen werden. Erste Produkte aus dem nachhaltigen Alternativprodukt sind auf dem Markt erhältlich und auch die Schuhhersteller Puma und Camper haben bereits ein Paar Musterschuhe aus Piñatex gefertigt.

 

SeaCell, Viskose aus Meeresalgen

 

Der smartfiber AG aus Deutschland ist es gelungen, auf Grundlage einer patentierten Technologie textile Fasern aus Meeresalgen und Zink herzustellen. Dabei werden Amino-oxide in Kombination mit Wasser dazu genutzt, Cellulose physikalisch aufzulösen. Die Algen werden aus isländischen Fjorden gewonnen. Sie sind zu 100 Prozent biologisch und besitzen verschiedenste Nährstoffe, die während der Verarbeitung nicht verloren gehen. Beim Tragen sondert die Kleidung diese an den Körper ab, was eine entzündungshemmende und entgiftende Wirkung verspricht. SeaCell-Kleidung wird daher auch als "Kleidung mit Anti-Aging-Effekt" bezeichnet. Das Verfahren wurde im Jahr 2010 mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet. Im Handel erhältlich sind die Produkte unter anderem in einzelnen Unterwäschekollektionen von Hugo Boss oder Speidel.

 

Qmilk, Textilgarn aus Rohmilch

 

Die Mikrobiologin und Designerin Anke Domaske aus Hannover schöpft eine Stofffaser aus Kasein, dem Hauptbestandteil der Milch, und entwirft damit stylische Kleidungsstücke. Der Stoff fühlt sich ähnlich soft und fließend an wie Seide, ist aber weitaus günstiger und nachhaltig. Anke Domaske verwendet dazu ausschließlich Rohmilch-Abfälle, denn Kasein wird ohnehin aus saurer Milch extrahiert. Qmilk umweltschonend und unbedenklich für die Gesundheit, denn die Produktion der Milchfaser kommt ohne zusätzliche Chemikalien aus. Seit 2014 wird Qmilk industriell produziert.

 

Tencel, Viskose aus Eukalyptusholz

 

Tencel ist eine Cellulosefaser aus Eukalyptusholz. Beim Eukalyptusanbau werden ausschließlich Böden bewirtschaftet, die sich nicht für den Anbau von Lebensmitteln eignen. Im Vergleich zum Baumwollanbau wird dabei 10-20 Mal weniger Wasser verbraucht. Gleichzeitig fällt die Ausbeute zehnmal höher aus. Außerdem können die Lösungsmittel, die bei der Herstellung zum Einsatz kommen, dem Produktionskreislauf anschließend wieder zugeführt werden, weshalb das Verfahren von der Europäischen Union mit dem "European Award for the Environment" ausgezeichnet wurde. Im Handel ist Tencel unter anderem in der Kollektion von Hess Natur, aber auch bei Eddie Bauer, Tom Tailor und vielen weiteren Marken erhältlich.

 

Econyl, 100% regeneriertes Nylongarn

 

Econyl ist ein Nylon-Garn aus 100 Prozent regenerierten Wertstoffen, entwickelt von der Aquafil-Gruppe aus Italien. Das Econyl Regenerationssystem schafft aus Nylon in alten Teppichen, Textilabfällen oder Fischernetzen hochwertige Produkte, indem es Polyamid-6-Wertstoffe in primäre Rohstoffe für die industrielle Produktion verwandelt. Das Unternehmen engagiert sich außerdem für die Rückgewinnung von Geisternetzen aus dem Meer im Rahmen der Initiative "Healthy Seas, a journey from waste to wear."

Das Garn ermöglicht die Wiederverwertung von Abfällen, wird ressourcensparend produziert und kann unendlich oft wiederverwertet werden. 2014 wurde die Marke Econyl mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Sonderkategorie "Ressourcen-Effizienz" ausgezeichnet. Modehersteller wie Kunert, oder junge Unternehmen wie "Jan'n June", "Loud and Proud" und "Wood like Oceans" setzen in ihren Kollektionen auf das 100 Prozent regenerierte Nylongarn.