16/06/2026 – Projekt WEBKARR

Recycling-Ringgarne und Zwirne

Durch eine Renaissance von sehr spezifischem Spinnereiwissen ist es gelungen, innovativ aufbereitete Meta-Aramid-Webkanten als qualitativ hochwertige und nachhaltige Recyclingzwirne in Oberstoffen der PSA einzusetzen.

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Die Recycling-Ringgarne und die Zwirne zeichnen sich durch erstaunlich gute Gleichmässigkeit aus, die bisher typische „Noppigkeit“ am Garnkörper gehört der Vergangenheit an. © Frank Wunderatsch/Frankenpost

 

Ein aktuelles Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen ist das Projekt WEBKARR (Recycling von ARamid WEBKanten), welches von der Weberei Theodolf Fritsche GmbH aus Helmbrechts als Verbundkoordinator am Institut für Materialwissenschaften der Hochschule Hof am Campus Münchberg (ifm) platziert wurde. Das Unternehmen produziert Spezialgewebe für Schutzkleidung – insbesondere für Feuerwehr, Polizei und Militär.

 Vom Reststoff zum Hochleistungsringgarn

 In einem interdisziplinären Team entwickelten Münchberger Textilspezialisten eine innovative Methode, um die systembedingten Webkanten aufzubereiten und zu neuen, hochfesten Ringgarnen zu verspinnen. Eine besondere technologische Herausforderung, denn Meta-Aramid gilt als anspruchsvoll in der Weiterverarbeitung. Dank des spezifischen Know-hows von Münchberger Spinnereitechnologie gelang es, aus den Webkanten Recycling-Garn- sowie Zwirnqualitäten zu erzeugen, die über die bisherigen Marktreferenzen deutlich hinausgehen.

 Der Projektverbund aus FRITSCHE, ifm, RVN Faserproduktion GmbH und dem voll assoziiertem Partner RIETER konnte durch das gemeinsam entwickelte WEBKARR-Verfahren die Basis für praxisgerechte Ausspinnungen von Meta-Aramid Recyclinggarnen der Nm 50 und Nm 70 und von Zwirnen beim Unterauftragnehmer des ifm, der Spinnerei OTTO in Dietenheim, legen. Die Recycling-Ringgarne und die Zwirne zeichnen sich durch erstaunlich gute Gleichmässigkeit aus, die bisher typische „Noppigkeit“ am Garnkörper gehört der Vergangenheit an. Auf einer geteilten Musterkette (Serie-Zwirn und Recycling-Zwirn) wurden bei FRITSCHE verschiedene Gewebemuster hergestellt und im Projektverbund zusammen mit dem Projektträger Jülich beurteilt. Dabei konnten keine signifikanten Unterschiede – sogar zwischen der Referenz und der 100% Recycling-Variante - festgestellt werden.

 Ausblick: Vom Labor in die Schutzkleidung

 Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse will die Weberei Fritsche die WEBKARR-Zwirne im Oberstoff von Schutzkleidung einsetzen. Damit könnte WEBKARR ein wichtiger Schritt hin zu nachhaltigen und gleichzeitig leistungsfähigen Materialkreisläufen in der Textilindustrie werden. Der WEBARR-Verbund wurde zudem durch AGATEX, AT unterstützt.

 Gefördert wird WEBKARR durch das Bayerische Verbundforschungsprogramm „Materialien und Werkstoff“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums.

Stephan Fichtner, Dipl.-Ing. (FH) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter Maschentechnik Wirkerei an der Hochschule Hof.